9 to 5: Days in Porn

- 9 to 5: Days in Porn
FSK 18 J.
Deutschland 2008
ca. 95 Min.
Zorro Film
Regie: Jens Hoffmann
Darsteller: Sasha Grey, Belladonna, Mark Spiegler
Ton: DD 2.0 , DD 5.1 - Englisch - PAL - RC 2
Das San Fernando Valley in LA ist das Epizentrum der US-Erwachsenenunterhaltung. Milliarden von Dollar werden hier jedes Jahr mit Pornos verdient, mehr als in der Musikindustrie. Die Pornofilm-Branche stellt damit einen nicht unerheblichen Wirtschaftsfaktor dar.
In den USA geben die Menschen pro Jahr mehr Geld für Erwachsenenunterhaltung aus als für Theater, Kino, Museen, Sport und alle anderen kulturellen Institutionen zusammen. Gleichzeitig halten seit Jahren pornografische Bilderwelten Einzug in die Mainstream-Kultur von Mode, Film, Literatur und Musik. Während sich in westlichen Gesellschaften somit spielerisch eine Art „Porno-Schick“ etabliert hat, bleibt der Blick auf diejenigen, die an der Basis dieses Phänomens arbeiten von meist abfälligen Klischees verstellt.
Was sind das für Menschen, die Porno machen, die ihr „Geld nackt verdienen?“ 9to5 DAYS IN PORN” erzählt ihre Geschichten: von den glamourösen bis zu den grotesken Momenten der Branche; befremdlich, faszinierend, absurd und manchmal witzig zugleich. In der Struktur eines Episodenfilms werden verschiedene Gesichter und ihre Geschichten gezeigt, das ganz „normale“ Leben der Darsteller, ihre Hoffnungen und Träume.
Ein junges Mädchen, das es kaum erwarten kann 18 zu werden, um ins Pornogeschäft einzusteigen (Sasha Grey). Ein Agent, der die Industry so gut kennt wie seine eigene Westentasche und von allen nur „Daddy Spiegler“ genannt wird (Mark Spiegler). Eine junge Deutsche, die ihr Politikstudium gegen eine Karriere im amerikanischen Hardcorebusiness eingetauscht hat (Katja Kassin).
Ein Paar, das gemeinsam dreht, produziert, Regie führt und Awards einheimst (Otto Bauer & Audrey Hollander). Eine Darstellerin, Ehefrau und Mutter, die wegen ihrer extremen Sexszenen zum Idol der Massen wird (Belladonna) und ein Ex-Punk-Rocker, der Pornos am laufenden Band dreht, und an dessen Sets das kreative Chaos herrscht (Jim Powers).
Jens Hoffmann hat sie über anderthalb Jahre mit der Kamera begleitet, bei der Arbeit am Set und in ihrer Freizeit. Den Einblick, den er dadurch bekommen hat, in diese allgegenwärtige und doch fremde Welt, ist einzigartig. Er hat es geschafft, die unangefochtenen Idole der Industrie für seinen Film zu gewinnen, die Größen der Branche, die mit ihm sprechen, wie mit einem alten Freund. Sowohl Otto Bauer, Audrey Hollander als auch Belladonna wurden bereits mehrfach mit AVN Awards ausgezeichnet, den Oscars der Pornoindustrie, für ihre Leistungen vor und hinter der Kamera. Sie haben absoluten Kultstatus erreicht und werden von Fans und Kollegen verehrt.
Wie nah sich Pop- und Pornokultur heutzutage liegen, zeigt sich am Beispiel von Sasha Grey. 2008 gewann sie den AVN Award als Beste weibliche Darstellerin, nachdem sie sich in nur drei Jahren zum absoluten Star der Szene entwickelt hat. Jetzt spielt sie die Hauptrolle in Steven Soderberghs „The Girlfriend Experience“ und hat damit den Schritt vom Kultstar zum Mainstream vollzogen. Roxy Deville war zuletzt sogar in „Sex and the City – Der Film“ zu sehen.
Neben den Menschen beschäftigt sich der Film aber auch mit dem Stellenwert und den Strukturen dieser multimillionen Dollar Branche sowie mit moralischen und sozialen Fragen rund um das Geschäft mit dem Sex vor der Kamera aus der Sicht von direkt und indirekt Beteiligten. So zeigt der Film auch die Kehrseite der Medaille: Ist die Pornoindustrie für die einen der schnelle Weg zu Geld, bedingtem Ruhm und vielleicht sogar zu einem gewissen Grad Selbsterfüllung, scheitern andere an den physischen und psychischen Anforderungen.
9to5 DAYS IN PORN porträtiert die Protagonisten der Branche auf sehr direkte und trotzdem sensible Art. Das Kaleidoskop aus faszinierend ehrlichen Portraits, die in über 18 Monaten Drehzeit entstanden sind, bietet tiefe Einblicke in die persönlichen Lebensumstände der Menschen, die in der Welt des Porno leben und arbeiten. Was ist ihre Motivation? Wie trennen sie zwischen ihrem privaten und ihrem beruflichen Leben? Wovon träumen sie und wie gehen sie mit ihrem außergewöhnlichen Job um?
Meist wird über sie gesprochen und geurteilt, selten kommen sie selbst zu Wort. Dies ist der Blick von innen heraus – ungeschönt und authentisch, ohne zu glorifizieren, aber auch ohne gängige Klischees zu bedienen, verstörend nah und tief bewegend.
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