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Anna Netrebko "Souvenirs"

Anna Netrebko "Souvenirs"
CD & DVD
Deutsche Grammophon

Auf ihrem vierten Solo-Album für Deutsche Grammophon lässt sie ihrem lebhaften Sinn für Vergnügen, Glamour und Lebensfreude freien Lauf.

In der Tradition von Operngrößen wie Elisabeth Schwarzkopf, Joan Sutherland und Plácido Domingo, deren Recitals leichterer Musik Furore machten, hat Anna diese spritzige Sammlung von Operettenklassikern, charmanten Salonliedern und anderen bezaubernden Melodien zusammengestellt.

Souvenirs ist ihr bisher persönlichstes Album – wie der Titel andeutet, liegt Anna jedes Stück sehr am Herzen, und viele sind mit einer besonderen Erinnerung verbunden.

Der Hit »Heia, in den Bergen« von Kálmán, eine brillante Nummer voll wilder Rufe und ungezügelter ungarischer Leidenschaft, stammt aus der Csárdásfürstin, der ersten Operette, die Anna als Kind in ihrer Heimatstadt Krasnodar in Südrussland sah. Sie war so fasziniert und begeistert, dass sie sich Hals über Kopf in den Glanz der Operette verliebte und erste Gesangsstunden nahm, um selbst Sängerin zu werden. Ihre erste Liebe galt also der leichteren Muse, doch als sie ihr Studium in St. Petersburg aufnahm, erlag sie auch dem Reiz der Oper.

Das erste Stück, das die 15-jährige Studentin lernte, war »Solveigs Lied« aus Griegs Schauspielmusik zu Peer Gynt. Damals sang sie es natürlich auf Russisch. Heute bringt sie das anrührende Stück – die verlassene Solveig wartet mit ruhigem Ernst auf die Rückkehr ihres lange verschollenen Geliebten Peer – auf Norwegisch, nur eine von neun Sprachen (zählt man den bekanntermaßen schwierigen andalusischen Dialekt getrennt vom Spanischen, sind es sogar zehn). Anna, die Sprachen liebt und keine Herausforderung scheut, singt hier auf Französisch, Italienisch, Deutsch, Russisch, Tschechisch, Jiddisch und Lateinisch.

Ihr Interesse an Sprachen ist jedoch nur eine der vielen Facetten Annas, die in der vorliegenden Sammlung zur Geltung kommen. Das emotionale Spektrum reicht vom bittersüßen Verlangen in Lehárs »Meine Lippen, sie küssen so heiß« – das nach temperamentvollen Auftritten beim Wiener Opernball und Galas wie The Last Night of the Proms quasi zu Annas Erkennungsmelodie geworden ist – über die selbstsichere Eleganz in Strauss’ »Cäcilie« bis zum übermütigen Feuerwerk von Arditis Koloratur-Knüller »Il bacio« (Der Kuss).

Wie in ihrem Russian Album überrascht Anna ihr Publikum auch gern mit Schätzen aus ihrem heimatlichen Repertoire: »Die beiden Lieder von Rimski-Korsakow sind unglaublich populär in Russland, aber es gibt sie nur mit Klavierbegleitung. Für dieses Album haben wir Arrangements in Auftrag gegeben. Mir war sehr wichtig, dass die Orchestrierung für diese schönen, aber schlichten Melodien leicht und transparent ist, fast wie ein gutes Parfum – eine davon mit einem zarten orientalischen Duft.«

Die Arbeit an den Arrangements im Studio mit dem Dirigenten und dem Aufnahmeteam war eine neue Erfahrung für Anna: »Man trägt wirklich dazu bei, einen neuen Sound zu kreieren, nicht nur mit der eigenen Stimme, sondern im Team mit allen anderen. Das war fantastisch!«

Im Programm ist auch ein geistliches Stück. Das »Pie Jesu« aus Andrew Lloyd Webbers Requiem verbindet Anna mit einem ganz besonderen Erlebnis: Als junge Sängerin nahm sie es in St. Petersburg in ihr Repertoire auf, nachdem sie es zum ersten Mal gehört hatte, und das begeisterte Publikum verlangte lautstark eine Wiederholung. Anna hat diese enthusiastische Reaktion ihrer Zuhörer seither häufig erlebt, aber jenes erste »bis!« (die Russen verwenden dasselbe Wort wie die Franzosen, Spanier und Italiener) bleibt ihr unauslöschlich im Gedächtnis.

Lloyd Webbers »Pie Jesu« ist ein Duett (hier mit dem englischen Knabensopran Andrew Swait) und steht damit für einen weiteren Aspekt ihrer Kunst, der Anna Netrebko bei der Zusammenstellung des Programms wichtig war: sie singt liebend gern mit Partnern. So gibt es mehrere Duette, beispielsweise die berühmte Barkarole aus Offenbachs Les Contes d’Hoffmann, die sie mit ihrer Freundin, der Mezzosopranistin Elina Garanca, singt.

Ins »Chambre séparée« aus Heubergers Operette Der Opernball geht Anna Netrebko mit dem polnischen Tenor Piotr Beczala. Dieses Stück singen Kolleginnen oft als Solo arrangiert; ursprünglich war es aber ein Duett für Sopran und eine Mezzo-Hosenrolle. Nach dem Vorbild von Sängern wie Rita Streich und Peter Anders oder Grit van Jüten und René Kollo hat sich auch Anna für einen männlichen Partner entschieden.

Anna Netrebko besitzt ein sicheres, untrügliches Gespür, welche Stücke am besten für sie geeignet sind, und die Einspielung von Strauss’ »Wiegenlied« hat ihr ganz besonders Spaß gemacht. Dieses Lied liegt komfortabel für ihre Stimme, und sie hat es in ihren Recitals schon oft mit Klavierbegleitung gesungen. Dank dieser Erfahrung reichte ein einziger Take, und die Aufnahme war im Kasten.

Großen Wert legte Anna Netrebko darauf, dieses Album so ausgewogen wie ein gutes Menü zusammenzustellen. Der Hauptgang ist die Operette, das Dessert opulent (die üppigeren, langsameren, sahnigeren Stücke) und einen perlenden Champagner gibt es als Digestif – dem Arditis »Il bacio« zweifellos so gut entspricht, wie Musik es nur irgend kann. Über die Zusammenarbeit mit dem Dirigenten Emmanuel Villaume ist Anna Netrebko besonders glücklich.

Sie kennt ihn gut von gemeinsamen Konzertaufführungen und schätzt sein Temperament und Einfühlungsvermögen. »Er hat eine tolle Art, mich dazu zu bringen, bei jedem Stück noch mehr Energie einzusetzen! Ich liebe das. Ich lasse mich gern anspornen und herausfordern. Es ist wunderbar, mit Musikern zusammenzuarbeiten, die einen so motivieren. Einfach unglaublich, wie er Elina und mich regelrecht verführt hat, die Barkarole mit so viel Ausdruck zu singen, mit ›lustvollem Erbeben‹, wie er es nannte.«

Ein besonderes Erlebnis war für sie, Dvorák im wundervollen Rudolfinum in Prag zu singen, einer der schönsten und musikalischsten Städte der Welt. Bei der Aufnahme von Dvoráks »Als die alte Mutter« in beiden »originalen« Sprachenfassungen fand Anna es »ganz erstaunlich, wie sich der Charakter und der ganze Ausdruck des Stücks ändern, wenn man vom Deutschen zum Tschechischen wechselt«. Zunächst sang sie es nur auf Deutsch, aber die tschechischen Musiker wollten Anna auch gern in der Landessprache hören. »Dass wir beschlossen, für dieses Album die tschechische Fassung aufzunehmen«, erklärt Anna, »ist ein Dankeschön an das Orchester [die deutsche Fassung ist als Download erhältlich]. Ich liebe die Prager Philharmoniker. Sie sind ein wunderbares, junges Orchester, so lebendig und frisch, engagiert und energiegeladen.«

Damit könnte Anna sich natürlich ebenso treffend selbst beschreiben. Nur ihre entwaffnende Art, sich über sich selbst lustig zu machen, ist vielleicht die einzige Eigenschaft, die in diesem sonst so charakteristischen musikalischen Selbstporträt nicht zum Tragen kommt.

Tracks
CD
1. Lied: "Heia, heia, in den Bergen ist mein Heimatland" (Act 1)
2. Im chambre séparée (Original Version)
3. Meine Lippen, die küssen so heiss (Act 4)
4. "Depuis le jour" (Act 3)
5. Barcarolle (Act 2)
6. 2. Cäcilie (Original Version)
7. Solveig's song (Original Version)
8. L'orsque j'etais enfant (Original Version)
9. 4. Kdyz mne stara matka (instr. by Jiri Teml)
10. 1. Wiegenlied (Original Version)
11. 'T was Not the Wind, Op.43, No.2 - orchestrated by Andreas N. Tarkmann
12. orchestrated by Andreas N. Tarkmann
13. orchestrated by Friedrich Meyer
14. Pie Jesu (Original Version)
15. L'enamourée - orchestrated by Andreas N. Tarkmann
16. instr. Giullo Espel
17. N# 2 Tiempo de zapateado "La tarántula e un bicho" (Edition Claudio Prieto)
18. Original Version

DVD
1. Souvenirs
2. Barcarolle (Act 2)
3. Lied: "Heia, heia, in den Bergen ist mein Heimatland" (Act 1)
4. 1. Wiegenlied (Original Version)
5. Souvenirs / Discography

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