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Beth Hart - Making of 37 Days

Beth Hart - Making of 37 Days
Eastzone/Hellfest
PAL

Die DVD zum gleichnamigen Album "37 Days" ist eine Art "Making of", das man nur ganz selten zu hören und zu sehen bekommt. Die Studioaufnahmen erfassen die vollständige Energie eines Live Auftritts ohne Einschränkungen. Man sieht es an den Aufnahmen und hört es an der Musik. Beth Harts ausgefallene, knallharte, kompromisslose Kunst ist es, was sie auszeichnet und einzigartig macht.

Die kalifornische Sängerin Beth Hart hat eine jener Stimmen, wie sie alle zehn Jahre einmal über uns kommen. Ein vokales Wunder, das mit nur einem einzigen Ton das gesamte emotionale Spektrum von Glück bis tiefer Trauer, von Depression bis Euphorie, von Angst bis Auflehnung, von Selbstverachtung bis Stolz ausdrücken kann. Der Grund dafür ist ganz einfach. Beth Hart singt unverblümt von den Erfahrungen ihres bisherigen Lebens, das eine einzigartige Achterbahnfahrt zwischen hoch oben und ganz tief unten beschreibt.

Beth Hart macht seit frühester Kindheit Musik. Bereits mit vier Jahren erhielt sie Klavierunterricht, doch die Rolle des braven Wunderkindes am Klimperkasten lag ihr nicht. Als Teenager war sie leidenschaftlich unangepasst. Ihre einzige dauerhafte Liebe gehörte weiterhin der Musik, doch sie wollte sich selbst aussuchen, was sie sang und suchte ihre Inspiration im Spannungsfeld von Blues, Heavy Metal und Soul. Am Ende schmiss sie die Schule, hörte tief in sich hinein und studierte Gesang und Cello. Die klangliche Fülle und widerspenstige Poesie des Saiteninstruments übertrug sie auch auf ihren Gesang.

Mit ihrem schon damals ungewöhnlich rauhen Organ wurde sie nach 1990 schnell zur festen Größe der Clubszene ihrer Heimatstadt Los Angeles. Ihr selbstbewusst „Immortal“ betiteltes Debütalbum erschien 1996. Ihr Songwriting war zu diesem Zeitpunkt noch etwas unbeholfen, aber in ihrer Stimme drückte sich bereits jene Unsterblichkeit aus, die der Titel manifestiert. Doch sie sollte noch ein weites und steiniges Stück Weg zum Erfolg vor sich haben Zunächst einmal wurde sie von Drogen in den Abgrund gezogen. Von ihrer Sucht gezeichnet, nahm sie 1999 ihr zweites Album „Screamin‘ For My Supper“ auf, das sich intensiv mit ihrem Missbrauch und dessen Folgen auseinandersetzte.

Beth Hart hatte im Kampf mit und gegen sich selbst Kraft und Persönlichkeit gewonnen. Das Album war das eindrucksvolle Zeugnis der Einsicht, dass eine gute Stimme nicht ausreicht, solange man nicht die Geschichten hat, mit der man seine Hörer berührt. Plötzlich wurde sie mit Janis Joplin verglichen, die sie auch erfolgreich in dem Musical „Love, Janis“ verkörperte. Trotz der düsteren Themen ihrer Lieder verstand es Beth Hart, ihre Songs immer mit Silberstreifen der Hoffnung zu durchziehen.

Eine Haltung, die ihr auch selbst zugute kam. Noch einmal sollten vier Jahre vergehen, bis sie mit „Leave The Light On“ eine Art Lebensbeichte ablegte.Der ungeschliffene Bluesrock der CD trug ihr seitens der Kritik Vergleiche mit den White Stripes ein, doch sie bewahrte sich auch immer noch jenen ergreifenden emotionalen Touch, der sie über jeden direkten Vergleich erhaben macht.

Mit „37 Days“ veröffentlicht sie nun ihr viertes Studioalbum in zwölf Jahren. In schnelllebigen und vergesslichen Zeiten wie diesen ist das nicht viel, doch die inzwischen lebenserfahrene Sängerin widersetzt sich bewusst jenem Zwang, durch permanente Medienpräsenz zum eigenen Schatten zu mutieren. Bei ihr kann man noch zwischen Persönlichkeit und Maske unterscheiden. Unter anderem stellt sie auch einige Neubearbeitungen älterer Songs wie „Missing You“ (ein Song über die Kinder von Beslan), „Over You“ oder ihres bislang größten Hits „L.A. Song“ vor, die in den neuen Fassungen gut den künstlerischen Reifeprozess der Sängerin illustrieren. 

Der Albumtitel „37 Days“ bezieht sich auf die Zeitspanne, die Beth Hart brauchte, um das Album in den Kasten zu kriegen. 16 Songs in 37 Tagen inklusive Mix. Das soll ihr erstmal jemand nachmachen. Vor den Aufnahmen war die Sängerin mit ihrer Band ausgiebig getourt, und die Power der Live- Performance nahm sie mit ins Studio. Die 16 Songs sind von unglaublicher Dichte, Vitalität und Eindringlichkeit. Harte, ungeschliffene Rockkracher wechseln sich mit dünnhäutigen Balladen ab, in denen Beth Hart unmissverständlich zeigt, dass sie zwar zu sich selbst gefunden hat, aber immer noch ihre Lehren aus ihrer Stipvisite in der Hölle zieht. Die Produktion kommt ohne jedes Lametta aus. „37 Days“ ist unter ähnlichen Umständen wie ein Live-Album entstanden und daher genauso intensiv.

Beth Hart ist Bluessängerin. Egal ob sie kraftvoll ins Mikro röhrt oder introvertiert ihr zerklüftetes Innenleben ausleuchtet, jeder ihrer Songs findet eine neue Definition für jene einzigartige Balance zwischen stiller Melancholie und Zuversicht, die man nur im Blues findet. Um Blues zu singen, braucht die Kalifornierin weder ein festgelegtes Taktmaß, das für die Blues-Polizei die äußere Legitimation dieser vermeintlich archaischen Musikform darstellt, noch muss sie ein Make-up aus dem Staub der Cotton Fields auflegen.

Beth Hart singt einen verführerischen urbanen Blues für die Gegenwart, in der der nüchterne Alltag des Informationszeitalters ebenso real ist wie die Erinnerung an jene Zeiten, in denen der Sommer endlos und überhaupt alles besser schien. Ihr Blues kommt von innen, ist resistent gegen die Schwankungen des Zeitgeists und setzt sich kühn über tradierte Vorurteile hinweg. Doch mit der Coverversion des Allman Brothrs-Songs „Soul Shine“ zeigt Beth Hart auch auf ihrem neuen Album unmissverständlich, wo ihr musikalischen Vorlieben liegen.

In den USA ist Beth Hart längst eine unangefochtene Größe, in unseren westlichen und nördlichen Nachbarländern führte sie mit ihrem letzten Album sogar die Charts an. Mit „37 Days“ liefert sie jetzt endlich das Statement ab, das ihr auch in Deutschland zu dem lange verdienten Durchbruch verhelfen wird.

Ein unbedingtes Muss für jeden Beth Hart Fan.

Zur CD

Tracks
01 Good As It Gets
02 Jealousy
03 One Eyed Chicken
04 Over Now
05 Sick
06 Face Forward
07 Soul Shine
08 Forever Young
09 Easy
10 Heaven Look Down
11 Missing You
12 Waterfalls
13 Crashing Down The End
14 At The Bottom

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