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Nie wieder Bethlehem 1 & 2

Nie wieder Bethlehem 1
Autor: Alexander J. Gentgen; Seiten: 163, TB.; Verlag: Books on Demand, Norderstedt; Preis: € 9,80;
ISBN 978-3-833-46451-5

Seine Romanfigur, die immer nur Alemao (Deutscher) gerufen wird, profitiert von den guten Orts- und Alltagkenntnissen des Autors. Alemao ist ein schräger Zeitgenosse, chronischer Junggeselle, der zuviel trinkt und dem Kokain frönt. Er mag Huren und ist einer normalen Beziehung abgeneigt.

Er ist Ende 30 und intelligent. Er ist kein klassischer Sadist. Er genießt aber die Tränen im Gesicht einer verzweifelten Vorstadthure, deren finanzielle Not er gerne ausnutzt. Er will keine Zärtlichkeiten und gespielte Liebe. Er raucht Cohiba und trinkt Wodka mit Eis. Seine Freunde mögen ihn, sind aber ständig besorgt, dass er sich in ihrer Gegenwart unmöglich aufführt. Trotzdem genießt er ihren Respekt. Er kann gut schießen und setzt dieses Talent ein.

Er schuldet niemandem Geld oder einen Gefallen. Er liebt seine monetäre und emotionale Autonomie. Er wird von seinem Umfeld beneidet und gleichzeitig für krank erklärt. Kurz gesagt: Er lebt - noch!

Fazit
Alexander J. Gentgen lebt seit einigen Jahren im Norden Brasiliens, genauer gesagt in Belém do Pará, der Hauptstadt des Bundesstaates Pará. Dort handelt er mit Holzprodukten, die er nach Europa exportiert. Bitte bedenken, die Romane sind natürlich Fiktionen, es ist weder eine Biografie, noch eine Beschreibung der Stadt und des Landes. Wer dies hier erwartet, der liegt sicherlich falsch. Alles, was in den Romanen passiert, ist wie immer bedingt durch die Seitenzahl eines Buches, in komprimierter Form dargestellt. Wer den Norden Brasiliens kennt, wird die eine oder andere Situation sicherlich wiedererkennen, auch den einen oder anderen Typus an Menschen. Es geht viel um Kampf, Gewalt und Sex, denn der Protagonist des Romans, eben dieser "Alemao" ist ein Sonderling, ja ein Zyniker, also kein sehr umgänglicher Zeitgenosse. Vor Kurzem habe ich das im Anschluss stehende Interview mit dem Autor geführt. (Bernd Kielmann)

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Nie wieder Bethlehem 2
Autor: Alexander J. Gentgen
Seiten: 144, TB.
Verlag: Books on Demand, Norderstedt
Preis: € 9,80
ISBN 978-3-833-46929-9

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Interview
Herr Gentgen, sie stammen aus dem Rhein-Neckar-Raum, ja und eigentlich denkt man dort nicht unbedingt an Holz aus dem Amazonasgebiet, eher an Wein und andere guten Dinge. Wie hat es sie nach Belem "verschlagen" und ist dies ihr erster Aufenthalt in einem tropischen Gebiet?
Ich bin zwar in Niedersachsen geboren, in Mannheim aber aufgewachsen. Um den letzten Jahrhundertwechsel bat mich ein befreundeter Franzose auf seine Holztürenproduktion in Belém aufzupassen. Kaum dort angekommen, ging der Franzose jedoch konkurs und ich saß dort herum. Ich begann auf eigene Rechnung Holzparkett zu produzieren. Es war aber nicht mein erster Aufenthalt in tropischen Regionen. Ich war mal ein Jahr in Belize
und auch ein paar Jahre in Kambodscha.

Wie lange leben Sie nun schon in Belém? Und was waren so Ihre ersten Endrücke, als Sie in Belem ankamen?
Ich wohne seit 2001 in Belém, bin aber seit Ende 2006 wieder mehrheitlich in Deutschland. Ich kannte Südamerika und Brasilien von vielen Reisen. Belém erschreckte mich aber dennoch. Es ist verarmt, dreckig und extrem kriminell.

Ihre Meinung über Belém ist ja ziemlich radikal. Hat die Stadt keinen Charme? Ist alles so schlecht? Ist das keine Pauschalisierung?
Doch, ihre Umgebung ist wundervoll. Die gewaltige Flussinsel Marajo, eine Bootstour durch die Nebenarme des Amazonas oder ein Tour durch den Regenwald sind wahrlich bemerkenswerte Erlebnisse. Die Stadt als solche hat aber nichts, was es woanders
nicht schöner gäbe.

Im Verlauf der Zeit, haben sich da Ihre Eindrücke verschoben? Was hat sich an Ihrem Bild über Belém und seine Bewohner im Laufe der Zeit geändert?
Na ja, wenn man sich erstmal auskennt, findet man auch schnell nette Plätze. Z.B. ging ich jedes Wochenende an kleine Nebenflüsse zum Baden. Bei 40 Grad und 90% Luftfeuchtigkeit ist ein kleiner Bach mit erfrischendem Wasser für jeden Europäer das Größte. Was die Menschen betrifft habe ich mich privat von den wenigen dort lebenden Europäern strikt ferngehalten. Ich habe die Sprache zielstrebig erlernt, um den vollständigen Kontakt zur Bevölkerung zu haben. Heute habe ich dort Freundschaften, auf die ich sehr stolz bin.

Wieso haben Sie so strikt Abstand von den in Belem lebenden Ausländern genommen?
Wenn man von der nicht unbedingt reichen Bevölkerung integriert werden möchte kann man nicht ständig in klimatisierten Restaurant speisen. Und welches Gesprächsthema außer das mir fehlende Heimweh kann mir ein Deutscher dort schmackhaft machen. Und beruflich waren ausnahmslos alle Ausländer Konkurenten.

Sie haben Belém "verarmt, dreckig und extrem kriminell" genannt. Ist das kein zu schwarz/weiß Denken? Die Kriminalitätsrate schnellt überall hoch. Bleiben wir bei Brasilien (auch bei uns in Deutschland wird es nicht besser!). Laut brasilianischen Medien hat Recife Rio den Rang als kriminellte Stadt abgelaufen. Solange man die extremen Probleme mit Arbeitslosigkeit und Armut nicht besser in den Griff bekommt, wird sich hier auch nichts dran ändern. Und so sieht es ja leider in allen Entwicklungs- und Schwellenländern aus. Meinen Sie nicht, das es andere Menschen gibt, die in Belém andere, ja bessere Erfahrungen gemacht haben?
Ja natürlich. Ich kenne einige die Belém in guter Erinnerung haben. Klar, aus der Distanz bzw. in der Erinnerung ist alles etwas schöner. Und selbstverständlich wird es Ausländer geben, die es wundervoll finden. Diese sollten dann aber gefragt werden, wo sie gewohnt haben. Ich lernte mal einen deutschen Entwicklungshelfer kennen. Er und seine Familie lebten dort in einem vollklimatisierten Haus mit Pool - bezahlt von Deutschland. Natürlich in einem umzäunten und schwerbewachten Villenviertel. Zudem hatten sie mit ihren monatlichen 3000 Euro netto das achtfache Gehalt eines brasilianischen Bankfilialleiters. Das diese Menschen das Elend trotz örtlicher Nähe nicht richtig sehen können ist mir klar.

Wie kam es eigentlich dazu einen Roman über einen Deutschen in Belém, in Pará zu schreiben? Hatten Sie gleich an 2 Bände gedacht, oder ist es nach dem Motto mal sehn was daraus wird" losgegangen?
Es begann so, dass ich ein paar deutschen Freunden immer mal etwas von meinem Leben gemailt habe. Diese hatten mich daraufhin aufgefordert dies alles in einem Roman zusammenzufassen. So entstand ein riesiges Manuskript mit über 500 Seiten und ich beschloss erst mal den ersten Teil zu bringen. Aufgrund des von mir nicht erwarteten Erfolges habe ich dann Band 2 schnell nachgereicht.

Die Hauptfigur in Ihrem Roman ist der "Alemao", also ein Deutscher, hatten Sie die Figur so, wie sie im Roman auftritt im Kopf, oder veränderte der sich während Sie schrieben?
Die Figur und ihr schräger Charakter standen fest. Seine Abenteuer lagen detailgetreu in meinem Kopf. Das er sich gegen Ende der Geschichte verändern bzw. ableben muss wurde mir klar, als das Manuskript zu groß wurde.

Bei der Roman-Figur, wieviel von Ihnen selber ist in die Hauptfigur des Romans eingeflossen? Wieviel von ihm repräsentiert Ihr eigenes Ich?
Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein so schräger Vogel existiert. Aber ich kann mir auch nicht vorstellen, dass man den erfinden kann.

Der "Alemao" in Ihrem Roman ist ja nun kein besonderer "Sympathieträger", er hat ja eigentlich alles das an sich, was man von einem "großkotzigen" Ausländer so erwartet. Sind Ihnen diese Art von Typen desöfteren über den Weg gelaufen?
Ich persönlich halte 50% der in Brasilien lebenden Ausländer für großkotzig. Aber auch dort werden solche Typen vom Leben aussortiert.

Eigentlich mag er garnichts, ich glaube er ist sich selber sogar im Wege, er hasst Deutschland, aber auch Brasilien. Er hat eine ziemlich selbstzerstörerische Einstellung?
Ja, er lebt seine oft krassen Lebensgrundsätze so konsequent, dass sie ihn eines Tagen richten werden.

In den beiden Bänden gibt es eine starke Dichte an Situationen mit Gewalt und Prostitution. Kann es nicht sein, das Leser dies für real halten? Das es auch eine Einladung zum sogenannten "Sexturismus" für den einen oder anderen sein kann?
Ich kenne die Spezies Sextourist von einigen meiner Auslandsaufenthalte. Ich verurteile sie nicht pauschal. Deren zur Selbstverteidigung immer angeführtes Argument, sie würden mit ihren harten Euros regelrecht Entwicklungshilfe leisten finde ich nachdenkenswert. Aber jedes Phänomen hat seine Schattenseiten, und diese ist definitiv der Sex mit Kindern. Hier muss man Brasilien mit seiner rigorosen Bestrafung der hierbei erwischten Ausländer wirklich loben. In Kolumbien oder Kambodscha sind sie mit ein paar tausend Dollar das juristische Nachspiel einer Nacht mit einer Minderjährigen los. In Brasilien landen sie für 10 Jahre im Gefängnis - und glauben sie mir in diesem Fall, brasilianische Gefängnisse sind der Vorhof zur Hölle.

In dem Roman bekommt man den Eindruck, dass man sich in Belém und Umgebung nicht ohne Waffen bewegen kann?
Belém, zumindest das Stadtzentrum ist zu normalen Zeiten kein Problem. Nach Mitternacht ist auch für eine Strecke von nur 300 m ein Taxi zu nehmen. Die Vororte sind dem gleichzusetzen. Ausnahmen sind die Stadtteile Terra-Firme, Bengui oder auch Guanabara, wo ich bis 2004 gewohnt habe. Dort trägt man etwas zur Verteidigung, lässt es tragen oder man bleibt 24 Stunden am Tag zu Hause.

Ich zitiere:" Mir ist klar, dass sie mit ihm geschlafen hat und das es für sie als Brasilianerin und in dem Fall sogar Exnutte kein größeres Problem war." Ganz provokant gefragt, ist das ihr Bild von der brasilianischen Frau im Allgemeinen?
Nein, um Gottes Willen! In dem zitierten Zusammenhang ist es eine erklärende Passage, da die Frau, oder auch Exnutte für den Erlass von drei Monatsmieten mit dem Vermieter eine Nacht verbracht hat, obwohl sie doch betont ihren Mann so sehr zu lieben. Meine persönliche Meinung ist, dass es diese Art des ein Ziel erreichen Wollens unter Damen fast aller Kulturkreise gibt. Im einen sind es eben die offenen Mieten, im anderen vielleicht eine Beförderung.

Der Protagonist der Romane spricht oft sehr abwertend über die Brasilianer im allgemeinen, schürt das keine Vorurteile?
Das glaube ich nicht. Es ist sogar eher so, dass die in Brasilien lebenden Ausländer ständig über die einheimischen Brasilianer schimpfen. Ob es der Nachbar, der Bettler oder der eigene Hausangestellte ist, alle sind sie den Aussagen nach immer unpünktlich, unzuverlässig und eigentlich generell lebensunfähig. Komischerweise wird aber das Land im Gesamten so immens wertgeschätzt - oftmals im selben Satz aus dem selben Mund!

Die beiden Bände des Romans sind eigentlich so wie der "Held" sehr depressiv angelegt. Kann man in Zukunft von Ihnen ein positiveres Werk erwarten, so z.B. mit Anekoten und lebenslustigen Begebenheiten?
Also Depressionen mögen höchstens mich während des Schreibens einmal berührt haben, als für 6 Stunden der Strom ausfiel und die Temperatur des Bieres sich der Umgebung anpasste. Nein, mal im Ernst. Depressiv geschrieben? Ich könnte mich heute noch totlachen, wenn ich daran denke wie Miguel den Inhalt seines vermissten Koffers am Flughafen von Salvador zu protokoll gegeben hat. Ich halte den Alemao auch nicht für depressiv, im Gegenteil, er ist ein Egoist mit extrem logischen aber teilweise gesellschaftsunfähigen Prinzipien. Was nicht in einen schön begonnenen Tag passt, fliegt raus. Das er dadurch von der Realität entfremdet ständig aneckt und sich dann darüber aufregt ist halt sein Charakter. Und wenn er sich in Band 2 eingesteht, dieses Leben nicht mehr zu mögen, oder wenn er darüber nachdenkt, die geschwängerte und erst frisch rausgeschmissene Freundin zurückzuholen, ist das eher eine für ihn ungewöhnlich Art von Nachdenklichkeit als eine Depression.
Die Frage, ob ich demnächst anders schreiben werde kann ich selbst objektiv nicht beantworten. Auf jeden Fall höre ich erst auf zu schreiben wenn keiner mehr die Bücher kauft, oder Miguel mich erschossen hat, was wiederum den Verkauf ankurbeln würde.

Vielen Dank für das Interview.
Ich danke Ihnen ebenso.

(Bernd Kielmann)

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